Kanzelverkauf für die Hochschulfinanzierung in Sachsen

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Kanzelverkauf für die Hochschulfinanzierung in Sachsen

Kanzelverkauf für die Hochschulfinanzierung in Sachsen

Kanzel aus der ehemaligen Universitätskirche zu verkaufen // Erlös kommt der Refinanzierung der gekürzten Stellen zugute // Kanzel für Forschung und Lehre nicht nutzbar

Leipzig, 28. Mai 2014. Da an den sächsischen Hochschulen bis 2020 bis zu 1042 Stellen wegfallen sollen, schlägt der Student_innenRat (StuRa) der Universität Leipzig vor, die Kanzel aus der ehemaligen Universitätskirche zu verkaufen. Die Kanzel, welche vor der Sprengung der Universitätskirche 1968 gerettet werden konnte, befindet sich im Besitz der Universität. Am Standort der ehemaligen Universitätskirche wurde inzwischen ein Neubau (Paulinum) errichtet, welcher sich in eine Aula und einen Andachtsraum unterteilt. Eine zeitnahe Anbringung der Kanzel im Aulateil des Paulinums ist nicht absehbar, da nach Eröffnung zunächst ein Nutzungs- und Klimamonitoring durchgeführt werden soll, wie in der Expert_innenkommission zur Kanzelfrage am 20.05.2014 entschieden wurde. Auch eine Anbringung im Andachtsraum erscheint hingegen aufgrund der Größe und Dominanz kaum vorstellbar.

„Eine ungenutzte und vermutlich wertvolle Kanzel, aber gleichzeitig über tausend zu kürzende Stellen – da kam uns die Idee, die Kanzel zum Verkauf freizugeben, um durch den Erlös wenigstens ein paar Stellen retten zu können“, erläutert Kerstin Stengel, Referentin für Umbau und Datenschutz des StuRa, die Aktion. „Außerdem könnte somit die Universität Leipzig den gebetsmühlenartig vom Finanzministerium geforderten Beitrag zur Stellenrettung leisten. Die so oft vom Rektorat betonte Machtlosigkeit wäre besiegt“, so Stengel weiter.

Die Kanzel wird für einen Preis von 104.200.000 Euro feilgeboten und eignet sich, dem aktuellen Nutzungskonzept zufolge, insbesondere für klassische Predigten, aber auch für DJ_ane-Sets, Aufführungen eines Puppentheaters und den Getränkeausschank auf einer Veranstaltung. Von dem Erlös werden 100.000 Euro für jede der zu kürzenden Stellen in Sachsen gespendet. Die Kanzel kann, je nach Interesse, ganz oder teilweise restauriert übergeben werden und befindet sich dann in beinahe ungenutztem Wiederherstellungszustand. Der StuRa fordert das Rektorat dazu auf, einen Verkauf der millionenschweren Kanzel ernsthaft in Betracht zu ziehen – besonders, da die Kanzel nur von einer einzigen Fakultät gefordert wird und bis auf Veranstaltungen des StuRa (DJ_ane-Sets) auch nur von dieser genutzt werden kann. Eine wissenschaftliche Einrichtung sollte sich weder von Landeseinrichtungen noch von beliebigen Religionsgemeinschaften die Ausrichtung von Forschung und Lehre diktieren lassen. Nicht zuletzt obliegt die Einrichtung der Gebäude den Dezernaten und Studierenden der Universität.

„Nicht auszudenken, was mit einer Kanzel bei der nächsten Besetzung oder bei einer ausgelassenen Festivität passieren könnte.“, so Stengel abschließend.

Bei Rückfragen steht Ihnen Kerstin Stengel, Referentin für Umbau und Datenschutz des StuRa, gerne zur Verfügung: umbau@stura.uni-leipzig.de bzw. 0341/ 97 37 850.

Christiane Hahnsch
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Student_innenRat der Universität Leipzig

28.05.2014
Miriam Pflug
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