Pressemitteilung // Kein rückwärtsgewandtes Weltbild in der Universität, Student_innenRat irritiert über Verständnis von Liberalität

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Pressemitteilung // Kein rückwärtsgewandtes Weltbild in der Universität, Student_innenRat irritiert über Verständnis von Liberalität

Der Student_innenRat (StuRa) der Universität Leipzig äußert seine Bedenken darüber, dass eine vermeintlich liberale Hochschulgruppe einer pflichtschlagenden Burschenschaft die Möglichkeit eröffnet, unter Studierenden für ihr rückwärtsgewandtes Weltbild zu werben. Beabsichtigt ist die Durchführung einer gemeinsamen Veranstaltung auf dem Innenhof des Campus Augustusplatz. “Burschenschaften vertreten ein reaktionäres, zumeist rassistisches und sexistisches und eben nicht liberales Weltbild. Wir sind sehr verwundert darüber, wofür sich der ‘Freie Campus’ erniedrigt”, so Felix Ramberg, Referent für Hochschulpolitik des StuRa. Die Liberale Hochschulgruppe kündigte auf Facebook eine gemeinsame Veranstaltung mit der Landsmannschaft Plavia-Arminia an. Diese Veranstaltung wurde zwischenzeitlich gelöscht. Grund zur Sorge besteht weiterhin. “Die Universität Leipzig und im Besonderen die Verfasste Studierendenschaft hat sich dem Bild einer Hochschule ohne Rassismus verschrieben, Burschenschaften bedienen sich aber eines rassistisch motivierten Weltbilds”, so Julian Amankwaa, Referent für Antirassismus des StuRa.

Die ursprünglich auf Facebook angekündigte Veranstaltung soll heute stattfinden. Bereits nach kurzer Zeit regte sich innerhalb der Studierendenschaft auf zahlreichen Ebenen Unverständnis darüber, wie eine derartige Veranstaltung überhaupt genehmigt werden konnte. “Pflichtschlagende Burschenschaften gehören in ein Hochschulbild der 1920er Jahre, diese Zeit und deren Gedanken sollten wir nicht hegen und pflegen”. In den 1920er Jahren waren Burschenschaften ein Hort des immer weiter um sich greifenden Antisemitismus. Ebenso kann dem Mythos, dass sich Burschenschaften dem Nationalsozialistischen Regime widersetzt hätten, kein Platz eingeräumt werden. Innerhalb der Burschenschaften bestand durch den sogenannten ‘Feickert-Plan’ der Wunsch nach Anschluss an den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund, welcher eine Gliederung der NSDAP darstellte.

Die Studierendenschaft der Universität Leipzig brachte sich nicht nur maßgeblich in die Proteste gegen Legida ein, sondern engagiert sich auch gegen Rassismus, Sexismus und Antisemitismus. “Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität stellen die Werte der Studierendenschaft  dar. Unsere Universität versteht sich als weltoffen und tolerant. Für diese Werte und dieses Selbstverständnis gilt es tagtäglich einzustehen, insbesondere dann, wenn Gruppen mit gegenteiligen Werten Platz innerhalb unserer Universität beanspruchen” so Ramberg und Amankwaa abschließend.

12.10.2016
Natalie Peterek
  • Burschenschaft
  • Freier Campus