Statement zum digitalen Semesterstart

Statement zum digitalen Semesterstart

Statement zum digitalen Semesterstart

Statement des Fachschaftsrats der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät zum Digitalen Semesterstart

Statement des Fachschaftsrats der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät zum Digitalen Semesterstart

 

Das Sommersemester 2020 findet wegen der anhaltenden Pandemie des SARS-CoV-2 unter besonderen Bedingungen statt - die Ausbreitung einer gefährlichen Virusinfektion erfordert es, das öffentliche Geschehen weltweit weitgehend herunterzufahren. Die Einschränkungen im gesamten alltäglichen Leben bedeuten für die Lehre an den Universitäten auf unabsehbare Zeit den Ausfall aller Präsenzveranstaltungen. Es wird versucht, dies durch Ausweichen auf Alternativen zu lösen - die Universität Leipzig erprobt ab dem 06. April 2020 entsprechend den Digitalen Semesterstart. Wir, als Fachschaftsrat der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, sind für Studierende die erste Anlaufstelle, wenn es um deren Interessen, Fragen und Probleme geht. Dieser Funktion wollen wir auch in dieser herausfordernden Zeit gerecht werden. Für uns steht es deswegen an erster Stelle, den Einschnitten und ihren Folgen zu begegnen, Belastungen sowie Nachteile möglichst gering zu halten, uns allen aufkommenden Sorgen anzunehmen und trotz aller Unwägbarkeiten eine Perspektive anzubieten.

Der Digitale Start ins Sommersemester 2020 stellt für alle eine überraschende, unbekannte und neue Situation dar, die mit viel Verunsicherung auf allen Seiten verbunden ist. Wir erwarten in der nächsten Zeit viele Nachfragen und auch gewisse Probleme beim Umsetzen der Lehre, die sich zum Teil jetzt schon abzeichnen. Wir halten es für geboten, die Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten und Sorgen bereits jetzt genauso zu leisten wie die kurzfristige Umstellung des Lehrbetriebes. Allem voran ist es im Hinblick darauf  in unseren Augen von großer Bedeutsamkeit, dass die Voraussetzungen hierfür sorgfältig geprüft werden und ein hoher Grad an Transparenz herrscht.

Zum Digitalen Semesterstart werden Veranstaltungen kurzfristig auf Lehrformate umgestellt, die den Studierenden allein und von zu Hause aus zugänglich sind. Während diese Lösung es möglich machen soll, die Lehre trotz bestehender Kontaktverbote umzusetzen, ergeben sich daraus allgemeine Nachteile, wie auch die Gefahr der speziellen Benachteiligung einzelner Studierender oder bestimmter Gruppen entsteht. Weiterhin können nicht alle Modulziele im e-Learning vermittelt werden, was für gewöhnlich in Vorlesungen, Seminaren und Praktika vermittelt wird. Ihr sind dort Grenzen gesetzt, wo eine Nähe zur Praxis gewahrt bleiben muss, wo das Erproben im Vordergrund steht, wo der Diskurs das Lernen bestimmt oder schlicht und einfach dort, wo die körperliche Präsenz notwendig ist. Um nur einige Beispiele zu nennen sind Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales, Werken, Sport und die semesterbegleitenden Praktika besonders betroffen. Zurecht gibt es in der Regel neben dem Selbststudium auch Präsenzanteile, deren Bedeutung jetzt nicht relativiert werden sollte. Wir als FSR sprechen uns seit Jahren gegen eine Anwesenheitspflicht in Seminaren aus. Trotzdem wollen wir zu bedenken geben, dass dies zu keinem Zeitpunkt die Wichtigkeit von Präsenz in Seminaren abspricht, sondern nur jenen Studierenden keinen Nachteil bringen sollte, wenn diese nicht regelmäßig daran teilnehmen können. Abgesehen davon gibt es auch unterschiedliche Lerntypen, welche unter unterschiedlichen Lernvoraussetzungen am besten lernen können, weshalb eine Bereitstellung von Präsenzseminaren für einen erfolgreichen Kompetenz- und Wissenserwerb, mindestens aber für das erfolgreiche Absolvieren von Prüfungsleistungen am Ende des Semesters gegeben sein muss.

Auch die Gefahr, dass einzelne Studierende unter den Bedingungen des Lernens von zu Hause aus und über das Internet aus diversen Gründen einen Nachteil erleiden, ist immens. Für einige wirkt sich der Zugang über digitale Formate erschwerend aus, anderen fehlt unter Umständen die notwendige technische Ausstattung, wiederum anderen mangelt es zu Hause an geeigneten Orten zum Arbeiten, Eltern überbrücken gerade eine Periode ohne Kindertagesbetreuung, viele Formate verlangen einen hohen Aufwand zur eigenverantwortlichen Strukturierung, Planung und Durchführung des Lernens, manche Studierende kämpfen mit der erschwerten Erwerbslage durch die Krise.

Zusätzliche Belastungen ergeben sich durch ein reguläres Semester, gestützt durch e-Learning-Angebote, auch für Lehrende, die nun neben den alltäglichen Herausforderungen wie Kinderbetreuung und HomeOffice und den Folgen der Krise für das soziale Leben, in kürzester Zeit den Lehrbetrieb umstellen und Lehrangebote neu planen müssen. Auch aus Solidarität mit Dozierenden haben wir deshalb die Idee eines Nichtsemesters (https://www.nichtsemester.de/cbxpetition/offener-brief/) unterstützt, das eine Anpassung der Belastungen an die jeweiligen individuellen Möglichkeiten und Ressourcen der Lehrenden ermöglicht hätte. Mit der Durchführung eines regulären Semesters sehen wir zumindest in dieser Hinsicht keine Rücksicht genommen. Umso stärker hoffen wir nun, dass die Universität Leipzig die versprochene zusätzliche Unterstützung gegenüber Lehrenden bei der Umstellung tatkräftig leistet und möchten an dieser Stelle allen in der Lehre Tätigen ausdrücklich für ihre Mühen unter diesen erschwerenden Bedingungen danken.

Zudem teilen wir die Befürchtung, dass durch die Aufrechterhaltung des regulären Lehrbetriebs denjenigen Studierenden Nachteile entstehen werden, die nun im Sommersemester ihrem Studium aus verschiedensten Gründen nicht vollumfänglich nachkommen können. Insbesondere die Aufrechterhaltung der BaFög-Förderung sowie eine Aussetzung der Regelstudienzeit, wie sie die Universität Leipzig in Aussicht stellt, halten wir deshalb für unverzichtbar. Darüber hinaus gilt es unter diesem Gesichtspunkt auch bei der Planung des Wintersemesters zu berücksichtigen, dass Studierenden ein bestmögliches Fortführen ihres Studiums im Winter ermöglicht wird, auch wenn diese das Sommersemester nicht regulär absolviert haben. Gerade diejenigen Studierenden, die nun ohnehin besonders betroffen sind und für die das Studium notgedrungen etwas in den Hintergrund rückt, verdienen es, dass ihnen daraus nicht weitere Nachteile entstehen. Es ist deswegen erforderlich, dass es, über informelle Bekenntnisse hinaus, hierzu klare und verlässliche Zusagen gibt, wie mit allen aufkommenden Problemlagen verfahren werden wird. Wir fordern deshalb vom Dekanat der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät und dem Rektorat der Universität Leipzig den Erlass verbindlicher Regelungen dafür, wie in Problemfällen zur Verhinderung oder zum Ausgleich von Nachteilen zu verfahren ist. Der Digitale Semesterstart ist in diesem Kontext als Versuch anzusehen. Sollte dieser stellenweise scheitern, darf das nicht zum Schaden von Studierenden geschehen. Im Konkreten sind deshalb notwendige, vor allem personale, Ressourcen, um alledem zu begegnen, bereitzustellen, klare Regelungen für den Ausgleich von Nachteilen zu treffen, die uneingeschränkte Studierbarkeit der Folgesemester zu gewährleisten, die Erwägung sozialer und anderer Problemlagen zu fixieren sowie eine sorgsame Überprüfung der Umsetzung durchzuführen.

Mit Blick auf die nahende Zukunft ist es wichtig, dass die Universitäten einerseits an den Lösungen der derzeit noch notwendigen Beschränkungen mitarbeiten und andererseits ihre Angehörigen angemessen über alle Entwicklungen aufklären. Da noch nicht klar ist, wie lange Maßnahmen der Einschränkung öffentlichen Lebens bestehen bleiben müssen und wie eine Aufhebung erfolgen wird, ist es wichtig, dass sich Menschen weiterhin aufgehoben fühlen, auf Informationen vertrauen können und wissen, dass Entscheidungen sorgsam getroffen werden. Wir als Fachschaftsrat leisten unseren Beitrag dazu, indem wir auch in dieser besonderen Lage die Interessen der Studierenden vertreten, uns als Anlaufpunkt zur Verfügung halten und weiterhin über aktuelle Entwicklungen informieren werden. Für Fragen, Nöte und Sorgen sind wir über unseren verschiedenen Kanäle, die sozialen Netzwerke Instagram (https://www.instagram.com/fsr.ewi/) und Facebook (https://facebook.com/FSR.EWi.Leipzig) sowie unsere E-Mailadresse fsr-ewi@stura.uni-leipzig.de, erreichbar. Wir halten alle Betroffenen dazu an, sich bei entsprechender Veranlassung, bei uns zu melden, sodass wir uns entstehenden Problemen unterstützend annehmen können. Dieser Aufruf, an uns heranzutreten, richtet sich explizit nicht nur an Studierende, sondern ebenso an andere Statusgruppen innerhalb der Universität, denn nur in gemeinsamer Abstimmung können wir die vor uns stehende Aufgabe angemessen bewältigen.

 

Wir wünschen allen in dieser ungewöhnlichen Zeit viel Kraft.

Schützt euch und andere! Bleibt zu Hause und zeigt euch solidarisch!

 

Der Fachschaftsrat der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig