Stellungnahme zum Staatsexamen 2016

Staatsexamen

Stellungnahme zum Staatsexamen 2016

Beim Staatsexamen kristallisieren sich immer mehr Schwierigkeiten heraus. Deshalb haben wir ein Positionspapier geschrieben.

Positionierung des FSR Erziehungswissenschaften bezüglich der anstehenden Staatsprüfung 2016

Im Oktober 2012 wurde die Lehrer_innenbildung in Sachsen in einen modularisierten Studiengang mit dem Abschluss Staatsexamen nach LAPO I (2012) umgewandelt. Gleichzeitig wurden die Studierendenzahlen massiv erhöht.
Der erste Jahrgang Lehramt an Grundschulen der Universität Leipzig schließt im kommenden Sommersemester (2016) das Studium ab. Diese Kohorte ist damit die erste, welche die erste Staatsprüfung gemäß LAPO I (2012) ablegen wird. Hierbei kristallisieren sich schon jetzt Punkte heraus, an denen es voraussichtlich zu Schwierigkeiten kommen wird:

1. Die Prüfungsergebnisse der absolvierten Module aus allen Semestern müssen dem Prüfungsamt der Universität Leipzig bis zum 29. Februar 2016 vorliegen, damit diese zeitnah an die Sächsische Bildungsagentur weitergeleitet werden können (LAPO I 2012, §8 Abs. 2). Folglich müssen die Studierenden die Prüfungsleistungen des Wintersemesters frühzeitig abgelegt haben, um eine rechtzeitige Korrektur bis zum 29. Februar 2016 zu ermöglichen. Durch diesen Umstand kann die, in den Prüfungsordnungen angegebene Bearbeitungszeit von schriftlichen Prüfungen, häufig nicht eingehalten werden. Hierzu ein Beispiel:

Im bildungswissenschaftlichen Modul 7 (Schule als Lern- und Lebensraum - 05-BWI-07) fällt das Ende der Bearbeitungszeit genau auf den 29. Februar 2016.
Somit wird die Bearbeitung der Prüfungsleistungen in die laufende Vorlesungszeit verlegt. Dies stellt sowohl für Studierende als auch für Dozierende eine zusätzliche Belastung dar.

Hinzu kommt, dass bei einer Verzögerung durch Krankheit die Teilnahme an den Staatsprüfungen im Sommer 2016 in Frage steht.

2. Wie in Punkt 1 dargelegt wurde, müssen alle Module zum Zeitpunkt der Zulassung zur Staatsprüfung abgeschlossen sein. Der Studienverlaufsplan aus dem Jahr 2012 sah jedoch ein Sachunterrichtsmodul (05-GSD-SACH04) für das achte Semester (Sommersemester 2016) vor. Auf diese Problemlage reagierte die sächsische Bildungsagentur erst am 16. Juni 2015 und führte eine Ausnahmeregelung ein, die den Studierenden den Abschluss des Moduls bis zum 24. Mai 2016 ermöglicht. Hierdurch entsteht erneut eine Mehrbelastung und zusätzliche Benachteiligung für diese Kohorte und eine Nichteinhaltung der Prüfungsordnung. Hinzu kommt außerdem erneut, dass bei einer Verzögerung durch Krankheit die Teilnahme an den Staatsprüfungen im Sommer 2016 in Frage steht.

3. Nach der Lehramtsprüfungsordnung I (2012) ist die wissenschaftliche Arbeit ein Bestandteil der Staatsprüfungen. Die Einreichung der Themen ist vom 1. bis zum 11. März 2016 möglich. „Entspricht das Thema nicht dem Zweck der wissenschaftlichen Arbeit nach Absatz 1, verlangt die Sächsische Bildungsagentur vom gewählten Prüfer die Vergabe eines anderen Themas. Äußert sich die Sächsische Bildungsagentur innerhalb von 2 Wochen nicht, gilt das Thema als genehmigt.“ (LAPO I 2012, §11 Abs. 2). Die Prüfungsteilnehmenden beginnen also mit der Bearbeitung ihrer Themen, ohne zu wissen, ob diese genehmigt sind. Zudem ist der Umfang der wissenschaftlichen Arbeit nicht eindeutig festgesetzt.

4. Die Durchführungen der Prüfungen führen nicht nur bei Studierenden zu einer hohen Belastung, sondern bringen auch Dozierende an kapazitäre Grenzen. Zum Einen müssen bis zum 9. Juli 2016 die regulären Lehrveranstaltungen durchgeführt und im Anschluss daran die zugehörigen Prüfungsleistungen abgenommen werden. Zum Anderen sind die wissenschaftlichen Arbeiten von zwei Prüfenden innerhalb von vier Wochen zu korrigieren sowie die Prüfungskommissionen für die mündlichen Prüfungen zu stellen. Dozierende sind verpflichtet ihren Urlaub in die vorlesungsfreie Zeit zu legen. Zur Bewältigung der oben aufgeführten Aufgaben in Zusammenhang mit den hohen Studierendenzahlen wird die Entbehrung einzelner Dozierender in diesem Zeitraum (Juli bis September) nur schwerrealisierbar sein. Für Dozierende führt dies zu einer unzumutbaren physischen und psychischen Belastung. Durch diesen Umstand werden sowohl die Lehre, als auch die Forschung an unserer Fakultät beeinträchtigt.

5. An dieser Stelle kommt zudem die Frage auf, aus welchen Gründen die Bearbeitung der wissenschaftlichen Abschlussarbeit bis zu einem festgelegtes Datum erfolgen muss und auf individuelle Wünsche keine Rücksicht genommen wird. Eine zeitlich flexible Anmeldung der wissenschaftlichen Abschlussarbeit für Studierende, welche eine spätere Korrektur in Kauf nehmen können, kommt nicht nur Dozierenden sondern auch Studierenden entgegen, da die Prüfungslast entzerrt werden könnte. Dennoch muss gewährleistet werden, dass alle sich für die Staatsprüfungen angemeldeten Studierenden gemäß der aktuellen Rechtslage auch rechtzeitig ihre Abschlusszeugnisse erhalten können, damit Bewerbungen für die zweite Ausbildungsphase fristgerecht eingereicht werden können.

Wir fordern klare und zeitnahe Informationen über den Ablauf der Staatsprüfungen, eine eindeutige Auslegung der Lehramtsprüfungsordnung I bezüglich des Umfangs der wissenschaftlichen Arbeit und der mündlichen Prüfungen, sowie eine Auskunft über die zur Prüfungsabnahme berechtigten Personen.

Außerdem verlangen wir eine Organisation der Staatsprüfungen, die an die herrschenden Voraussetzungen an unserer Universität angepasst ist und keine Benachteiligung hervorruft. Die aufgeführten Probleme waren seit 2012 vorhersehbar und hätten präventiv gelöst werden können.

Wir fordern eine gerechte Handhabung für die Absolvent_innen im Jahr 2016 und nachhaltige Maßnahmen für die kommenden Jahrgänge, da ab dem Sommersemester 2017 zusätzlich sowohl die Kohorten der Sonderpädagogik, als auch das gymnasiale Lehramt das Studium zur gleichen Zeit abschließen werden.