Die Forderungen des Bündnisses Lernfabriken...meutern!

Die Forderungen des Bündnisses Lernfabriken...meutern!

1. Staatliche Ausfinanzierung von Schule und Hochschule!
 
Die Hochschulen und Schulen in Sachsen sind unterfinanziert. Die Folge sind marode Einrichtungen, überfüllte Hörsäle, überarbeitetes Lehrpersonal, zu große Klassen und Kurse sowie eine schlechte materielle Ausstattung. In den Hochschulen springen Unternehmen und andere externe Institutionen für die Finanzierung ein - in Aachen beispielsweise ist der Energiekonzern „e.on“ Hauptsponsor und Namensgeber des Energieforschungszentrums mit 3 Fakultäten und 4 Instituten - und können so in ihrem Interesse die Inhalte mitbestimmen, was die Unabhängigkeit der Wissenschaft stark gefährdet. In den Schulen kommt es immer wieder zu Unterrichtsausfall aufgrund der dünnen Personaldecke. Darum fordern wir eine von Ländern und Bund gemeinsam getragene grundständige Finanzierung von Hochschulen und damit einhergehend die Beseitigung des wissenschaftsfeindlichen Drittmittelwettbewerbs und die Beendigung der Exzellenzinitiative. Für die Schulen fordern wir mehr qualifiziertes Lehrpersonal und eine schnelle und unkomplizierte Behebung der baulichen Mängel an Schulgebäuden.
 
2. Kostenfreie Bildung in KiTa, Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung!
 
In Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es: "Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung." Jegliche Art von pauschalen Gebühren stehen diesem Anspruch entgegen, da finanziell weniger Vermögende ausgeschlossen werden. Bildung muss über eine angemessene Besteuerung von Reichtum staatlich finanziert werden. Sie darf kein Privileg und keine Ware sein, die nur finanziell leistungsstarken Menschen und ihren Kindern offen steht. Aktuell werden zum Beispiel an der Universität Leipzig erstmals Langzeitstudiengebühren erhoben, auf die auch bald die Erhebung von Zweitstudiengebühren folgen wird. Diese sind im Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetz verankert, weswegen wir eine Änderung des Gesetzes, verbunden mit der Streichung sämtlicher Gebühren fordern!
 
3. Abschaffung der Hochschulzulassungsbeschränkung!
 
Auch Zulassungsbeschränkungen wie das Abitur stellen einen Mechanismus dar, der Menschen von einem Hochschulstudium und damit verbundenen gesellschaftlichen Positionen ausschließt. Die Entscheidung wer studieren darf und wer nicht fällt für viele Kinder schon nach der 4. Klasse und ist daher von einem belastbaren Leistungsbegriff weitestgehend entkoppelt. Sogar Menschen die ein Abitur erworben haben sind in der Studienwahl nicht frei, sondern müssen sich nach dem jeweiligen Numerus Clausus richten. Wir fordern deshalb die Stärkung der Möglichkeiten, nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung zu studieren und die Schaffung von ausreichend Studienplätzen sowohl im Bachelor als auch im Master. Damit würden die ausschließenden Hochschulzulassungsbeschränkungen hinfällig.
 
4. Gerechte Bezahlung und großflächige Entfristung für Beschäftigte des akademischen Personals!
 
Aus einer Befragung der Mittelbauinitiative Universität Leipzig aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass an der Uni Leipzig 78% des akademischen Personals befristet angestellt sind. Fast 40% haben Verträge mit einer Laufzeit von einem Jahr oder kürzer. In ganz Deutschland „kompensieren“ den Mangel an solider Grundfinanzierung der Universitäten laut Schätzungen der „Zeit“ inzwischen 100.000 Privatdozent*innen und Lehrbeauftragte, die für einen Stundenlohn weit unter dem Mindestlohn oder gänzlich kostenlos die grundständige Lehre gewährleisten. Die Folge sind unhaltbare, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die eine Lebensplanung unmöglich machen, eine Beteiligung an den demokratischen Gremien der Universität deutlich erschweren und zu feudal anmutenden Abhängigkeitsverhältnissen zwischen Professor*innen und Angestellten führen. Deshalb fordern wir eine großflächige Entfristung der Arbeitsverhältnisse, eine Beseitigung des Sonderbefristungsrechts in der Wissenschaft und die gerechte Bezahlung des akademischen Personals für die Arbeit, die es leistet.
 
5. Eine Schule für alle - Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems!
 
Welche Funktionen hat die Schule? Auf jeden Fall nicht nur die, junge Menschen zu bilden. Eine weitere, wichtige Funktion ist die Selektion für den Arbeitsmarkt. Es ist perfide, dass bereits in der vierten Klasse eine Bildungsempfehlung abgegeben werden muss. Hier wird entschieden, wer das Gymnasium und wer die „niederen“ Schulformen besuchen darf. Ganz zu schweigen von jenen, die auf die Förderschulen „abgeschoben“ werden. Das hat ganz praktische Konsequenzen für das Leben der Schüler*innen - die Freundeskreise werden getrennt und homogenisieren sich, ein Kontakt mit Menschen aus anderen Bereichen findet meist bis ins hohe Erwachsenenalter nicht statt. Wir fordern eine Schule für alle, in der Menschen unabhängig von Einordnungen gemeinsam lernen. Konkret bedeutet dies, das alle Schüler*innen im gleichen Haus, möglichst aber im gleichen Klassenverband lernen! Geeignete Förderpädagog*innen sind einzustellen, um den Förderbedarf jede/r Einzelnen auszugleichen.
 
6. Mehr Zeit zum Lernen! Mehr Freiräume für Diskussionen und eigene Ideen!
 
Lernprozesse folgen häufig eigensinnigen Wegen und sind nur schwer von außen planbar. Ihre penible Regulierung führt dazu, dass der Lernstoff seine inhaltliche Bedeutung verliert. Lernen wird dann zur Absolvierung von aneinandergereihten Pflichtaufgaben auf dem Weg zum Abschluss. Dabei werden bereits begonnenen Lernprozesse vorzeitig abgebrochen und eigene Ideen nicht weiterverfolgt. Kreativität, Neugier und Eigeninitiative bleiben auf der Strecke. Dies ist unser Meinung nach einer der wichtigsten Gründe für die weit verbreitete Lernunlust in Schulen und Universitäten. Darum wollen wir eine Abschaffung der Regelstudienzeit. Die Modularisierung der Studiengänge muss rückgängig gemacht werden. Alle Disziplinierungsmaßnahmen, wie Studiengebühren und Zwangsexmatrikulation müssen abgeschafft werden. In der Schule müssen das fest gefügte System der aufeinander folgenden Klassenstufen überdacht und die Rahmenbedingungen dem Lernbedürfnis des/der Einzelnen angepasst werden.
 
7. Demokratisierung der Hochschule!
 
In den letzten Jahren wurden immer mehr Entscheidungsbefugnisse von den Gremien der akademischen Selbstverwaltung hin zu den Hochschulleitungen verlagert. Wichtige Kompetenzen, wie die Auswahl der Kandidat*innen für die Rektor*innenwahl werden gar in externe Hochschulräte ausgelagert, die den Aufsichtsräten von Unternehmen nachempfunden sind. Wir fordern die Stärkung der Gremien der akademischen Selbstverwaltung zugunsten von mehr Mitbestimmung, die Erhöhung der Anzahl der studentischen Mitglieder im Senat und allgemein den Abbau autoritärer Entscheidungsstrukturen. Damit einher geht die Forderung nach der Abschaffung des Hochschulrates und der Abschaffung der Austrittsmöglichkeit aus der verfassten Student*innenschaft durch eine Novelle des Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetzes.
 
8. Mehr Raum für selbstorganisiertes Lernen!
 
In der pädagogischen Praxis dominieren immer noch Fremdsteuerung und Fremdorganisation. Gelernt wird was im Lehrplan steht, was die Lehrkraft sagt und für die gute Note. Diese Fremdsteuerung und Fremdorganisation sind der gesellschaftlichen Selektionsfunktion von Bildungseinrichtungen zuzuschreiben. Das bedeutet, dass Menschen untereinander sortiert werden müssen, um ihnen ihre spätere wirtschaftliche und gesellschaftliche Position zuzuweisen. Dazu kommt die Vorstellung, man könne homogene Lerngruppen bilden. Lernen funktioniert jedoch nicht nach 45-Minuten-Taktung und nicht nach Lehrplan. Deshalb fordern wir für alle Schüler*innen, Student*innen und Auszubildenden mehr Freiraum für selbstorganisiertes Lernen, zum Beispiel durch selbst organisierte Unterrichtseinheiten oder Module.
 
9. Mehr Mitbestimmung von Schüler*innen in der Schule!
 
„Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir“, solche Sätze und ähnliche bekommt man als Schüler*in häufig von vermeintlich wohlmeinenden Erwachsenen zu hören. Doch wie viel Wahrheit kann in so einem Spruch stecken, wenn die Schüler*innen im Normalfall ihre alltäglichen Sorgen und Leidenschaften am Schultor abgeben und sich fortan ungefragt für Gedichtanalyse, Englischvokabeln und die Masse des Kohlenstoffatoms interessieren sollen. Auch organisatorisch werden Schüler*innen nicht einbezogen. So beginnt der Unterricht nach wie vor an einem Großteil der Schulen zu besonders schüler*innenunfreundlichen Zeiten, die Gestaltung der Stundenpläne entzieht sich jeder demokratischen Mitbestimmung. Darum fordern wir: Demokratische Mitbestimmung in allen schulischen und unterrichtlichen Belangen, eine Abschaffung restriktiver Lehrpläne und mehr inhaltliche Freiheit bei der Unterrichtsgestaltung sowie einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe zwischen Schüler*innen, Lehrer*innen und Schulleitungen.
 
10. Abschaffung des Lehrstuhlprinzips
 
Das Lehrstuhlsystem in Deutschland bedeutet steile Hierarchien in Forschung und Lehre und die Konzentration von Entscheidungsgewalt bei Einzelpersonen, den Professor*innen. Dies erhöht den Anpassungsdruck für alle am Lehrstuhl Beschäftigten und schafft krasse Abhängigkeitsverhältnisse. Um ein kollegiales und solidarisches Forschen zu ermöglichen fordern wir deshalb die Abschaffung des Lehrstuhlprinzips zugunsten einer Department-Struktur wie sie zum Beispiel in Großbritannien existiert. Damit würden Professor*innen zwar noch wichtige Rollen in Wissenschaft und Hochschullehre ausfüllen, aber nicht mehr alleinverantwortlich sämtliche Mitarbeiter*innen und Assistent*innen beschäftigen können.
 
02.08.2017 - 12:59

weitere Artikel