Psychische Belastungen in einer Pandemie ernst nehmen!

Psychische Belastungen in einer Pandemie ernst nehmen!

Der Student_innenrat der Universität Leipzig (StuRa UL) zeigt sich verwundert über die gestern herausgegebene Liste an „Tipps für das Studieren zu Hause“ der Universität Leipzig.

„In Zeiten einer globalen Pandemie, in denen den Erwartungen zufolge psychische Krankheiten massiv zunehmen werden, eine Liste zu veröffentlichen, die an 0815 Tipps eines Selbstfindungsratgebers erinnert, ist höhnisch“, so Beccs Runge, Referentix des Referats für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des StuRa.

Gerade eine auf psychologischer Expertise basierende Liste in Zeiten einer globalen Pandemie sollte vor allem dazu dienen, dass Studierende (unabhängig vorliegender Einschränkungen oder Be_hinderungen) in der Lage sind, die momentane Situation bestmöglich zu überstehen und insgesamt psychisch stabil aus der Krise herauskommen. Genau diese Art der Unterstützung gilt als Kernaufgabe psychotherapeutischer Beratungsangebote und nicht etwa die unabdingbare Steigerung der Leistungsfähigkeit innerhalb einer ohnehin belastenden Krisensituation.

Nicht zu vergessen bedeutet der Ad-hoc Wechsel von einer Präsenzuniversität hin zu einem „Studium zu Hause“ vielerlei neue und zusätzliche Schwierigkeiten. Dazu zählen nicht nur die emotionale Verarbeitung und Neuorganisation. Hinzu kommen zeitliche und finanzielle Belastungen: von möglicher Kinderbetreuung und homeschooling, über kostenspielige Beschaffung und Installation des Lernequipments (Laptop, Headset, Webcam) als auch das Einarbeiten in unterschiedliche Recherche- und Arbeitstools. Auch die eigene Internetleitung gilt es für die e-Uni nachzurüsten. Parallel dazu haben viele Studierende ihre Jobs verloren, ihre Familien im Ausland sind von der Pandemie schwer betroffen und sie befinden sich in einer existenziellen Notsituation.

„Ratschläge wie „Schaffen Sie sich einen Lernort“ oder „Minimieren Sie Ablenkungen“ sind vielerorts schlicht und ergreifend nicht praktikabel. Gleichzeitig fehlen jegliche Hinweise auf mögliche Beratungsangebote von Universität, studentischer Selbstverwaltung oder Studentenwerk, während die Zahlen deutlich zeigen, dass der Beratungsbedarf seit Bestehen der Angebote kontinuierlich gestiegen ist. Gleichermaßen finden Beratungen derzeit online statt. Da der Datenschutz bei einigen Anbietern jedoch weiterhin mangelhaft ist, begegnen Studierende diesem Angebot mit großer Skepsis, weshalb sich Online Gespräche und Therapiesuche - also elementare Unterstützung - immer wieder verzögern“, so Marie Polonyi, Referentin für Inklusion, abschließend.

Die PM als PDF gibt es hier.

 
15.04.2020 - 13:48

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