Teilöffnung der Bibs ist kein Grund für kürzere Fristen

Teilöffnung der Bibs ist kein Grund für kürzere Fristen

Seit dem 21.04.2020 sind Teile der Universitätsbibliotheken (UBL) wieder für die kontaktlose Ausleihe geöffnet. Der StuRa der Universität Leipzig begrüßt diesen Schritt der UBL, warnt aber davor, die Möglichkeiten der Studierenden zum Selbststudium als gegeben zu sehen.

Dazu erklärt Christopher Hermes, Referent für Lehre und Studium: „Zwar können die Studierenden jetzt in einzelnen Bibliotheksstandorten Literatur ausleihen oder scannen, was prinzipiell zu begrüßen ist, vom sog. Normalzustand sind wir aber noch weit entfernt. Einmal können nicht alle in die Bibliotheken gehen, sei es aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie sich während der Pandemie nicht in Leipzig befinden und das digitale Semester bspw. im Elternhaus bewältigen müssen; oder gar wie die zahlreichen ausländischen Studierenden noch nicht einmal nach Deutschland einreisen können. Zum anderen ist ein ausgeliehenes Exemplar grundsätzlich erst einmal weg. Das bedeutet in der Praxis, dass zwar eine Person mit dem Buch arbeiten kann, alle anderen aber in die Röhre schauen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Fristen nicht für alle gelten können.“

„Viele Studierende stehen aus unterschiedlichen Gründen noch zusätzlich unter Druck.“, ergänzt Madeleine Littwin, Referentin für Inklusion. „Zwar kann digitale Lehre zur Verbesserung der Studienbedingungen beitragen, dies ist jedoch aktuell kaum der Fall. Die Frage nach Sicherheitskonzepten für gefährdete Studierende, die derzeitige Umsetzung von Nachteilsausgleichen und die Verfügbarkeit barrierefreier Studienmaterialien sind noch immer nicht geklärt. Die Texte liegen teils in sehr unterschiedlicher Qualität vor, Inhalte von Videos und Podcasts werden nicht parallel veröffentlicht, Bildbeschreibungen fehlen - um nur einige Beispiele zu nennen. Gleichsam müssen wir leider feststellen, dass einigen Dozierenden wohl oftmals nicht bewusst ist, dass nicht „Faulheit“, sondern existenzielle, gesundheitliche und organisatorische Fragen das Studium derzeit erschweren. Stattdessen ist eine teils unzulässige Erhöhung des Arbeitspensums „auf freiwilliger Basis“ festzustellen. Hier muss zwingend gehandelt werden.“

Auch der Vorstoß des Prorektors Prof. Hofsäss, welcher der Luhze zufolge ab Mai kleine Präsenzveranstaltungen zulassen will, sollte kritisch betrachtet werden, zumal dieser Schritt der Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten nicht zuträglich scheint. Wir alle, also Studierende, Dozierende, Wissenschaftler_innen und Verwaltung stehen vor großen Herausforderungen. Diese lassen sich jedoch nur gemeinsam bewältigen.

Dass dieses Sommersemester anders als üblich verläuft, ist allen klar. Der Versuch, auf Biegen und Brechen wieder zur alten Tagesordnung überzugehen, zeigt jedoch, dass Risiken und Probleme bei der Durchführung des Semesters nicht ausreichend bedacht werden. Lukas Gliem, Referent für Hochschulpolitik, sagt dazu: „Dass die schrittweise Öffnung der Bibliotheken nun gleich zum Anlass genommen wird, Abgaben zu fordern und Fristen nicht weiter zu verlängern, geht letztendlich zu Lasten aller Studierenden. Dieses Semester darf nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet und Fristen müssen ohne Wenn und Aber verlängert werden! Nur so können wir sicherstellen, dass vor allem bereits benachteiligte Studierende diese Zeit gut überstehen - mit Sicherheitsvorkehrungen und Auffangnetzen statt chaotischer und übereilter Rückkehr zum Normalbetrieb.“

Die PM als PDF gibt es hier.

 
23.04.2020 - 13:57