Was Zweitstudiengebühren für mich bedeuten

Was Zweitstudiengebühren für mich bedeuten

Wenn die Gebühren für ein Zweitstudium kommen, dann bin eine die diese zahlen muss. Ich studiere derzeit noch auf Lehramt für Mittelschulen, also auf einen Abschluss, der zukünftig dringend gebraucht wird. Und doch bedeutet eine Einführung von Gebühren für mich das Ende des Studiums. Ich habe einen Magister in Soziologie und habe dafür länger als die 9 vorgesehenen Semester gebraucht. Etwas, was durchaus einige meiner damaligen Dozenten gut fanden. Danach war ich arbeitslos, was auch nichts Außergewöhnliches ist. Auch vielen anderen ehemaligen Student_innen geht das so.

Nach eineinhalb Jahren zwischen Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlter Arbeit habe ich wieder angefangen zu studieren, eben ein Zweitstudium und in Vollzeit. Zurzeit arbeite ich nun 20 Stunden pro Woche in großen Teilen in Nachtschicht. Netto erhalte ich so 768,71€ im Monat. Da ich Studentin bin bekomme ich keine sonst üblichen Wochenendzuschläge und muss mich freiwillig pflichtversichern. Das heißt ich zahle meine Krankenversicherung von 177,51€ monatlich selbst. Ziehe ich noch Miete, Versicherungen, Kohlegeld und andere fixe Kosten ab, dann bleiben mir im Monat knapp 300€ von denen ich lebe und spare, denn der nächste Semesterbeitrag zum Beispiel kommt bestimmt.

Mit ca. 8-10 universitären Veranstaltungen und durchschnittlich 7-8 Stunden Fahrzeit pro Woche lebe ich meistens an meiner Belastungsgrenze. Mehr arbeiten ist nicht drin und meines Wissens auch nicht erlaubt. Zweitstudiumsgebühren bedeuten daher für mich, dass mir monatlich bei gleicher Arbeitsbelastung weitere 60€ fehlen.

Ich denke, es darf sich z.B. niemand über Quereinsteiger in den Schuldienst beschweren, wenn die Hürden für einen „normalen“ Einstieg so hoch gelegt werden. Ein Zweitstudium können sich mit Gebühren nur Menschen leisten, die entweder finanziell unterstützt werden oder bereits einen Job haben, der genug Geld abwirft. Damit werden einerseits weniger finanzkräftige Student_innen klar benachteiligt. Andererseits darf bezweifelt werden, dass die 350 € pro Semester von den wenigen Zweitstudierenden finanziell irgend einen Unterschied für die Universität machen. 350 € ist eine willkürlich gesetzte Zahl, die für mich sehr viel ist und viel bedeutet und für die Universität kaum einen finanziellen Unterschied macht.

Wenn die Universität Zweitstudiengebühren einführt, bedeutet das für viele Menschen ganz einfach und konsequent eine Abschaffung des Zweitstudiums. Denn ohne einen enormen finanziellen Background ist ein solches Studium nicht mehr zu stemmen.

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Du hast selbst einen Gebührenbescheid über Zweitstudien- oder Langzeistudiengebühren erhalten? Du glaubst, dass du bald betroffen sein könntest? Melde dich bei deinen Referent_innen für Hochschulpolitik, die dich beraten können und mit dir eine Lösung suchen werden.

 
02.08.2017 - 12:59

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